Mittwochnachmittag


Projektbeschreibung


Es braucht Zeit. Aber wir sind der Epoche des Massenmedien-Denkens, des Bildschirm-Denkens, der Verdummung, die von dem sich überstürzenden Rhythmus der Medien vorgeschrieben wird, unterworfen. Die Überstürzung, das ist die Falle. ‚Die Neuigkeit', die jeden Tag die gleiche ist, das ist der Köder. […] Unser Verlangen ist das nach Leben, das seine Bewegung zeitlich, historisch, durch die Generationen hindurch einschreibt, quer durch die Geschichte und über sie hinaus. […] Es bedarf dieser Langsamkeit, die wir brauchen, um uns anzunähern. Hélène Cixous

Jeden Mittwochnachmittag treffen sich im Bürgerhaus City, Rosenhof 18, in der Chemnitzer Innenstadt, fünfzehn Frauen zwischen vierzig und achtzig. Sie stricken, reden und trinken die eine oder andere Tasse Kaffee. Es entstehen Woche für Woche, Stück für Stück, Masche für Masche – fast beiläufig – farbige Stoffe von erstaunlicher Schönheit. Betrachtet man diese, scheinen sie nicht nur aus Wolle zu bestehen, sondern ebenso aus Geschichten, Gedanken, Gesprächen und aus der Zeit, die während ihrer Entstehung in sie hinein geflossen ist. Die unauffälligen Treffen am Nachmittag und die dabei entstehenden Stoffe  sind der Ursprung einer künstlerischen Erkundung, die Antwort auf zwei universelle Fragen sucht:Wie gehen wir heute mit Zeit um und wie zeigt sich die persönliche Erfahrung verschiedener zeitlicher Zustände in unserer Alltagswelt?Wie kann Gemeinschaft heute aussehen und wie lässt sich Kooperation und Zusammenarbeit im Alltag leben, trotz einer immer stärker werdenden Tendenz zur Individualisierung?Die Teilnehmer_innen folgen diesen Fragen und begeben sich für das Partizipations- und Ausstellungsprojekt Mittwochnachmittag auf die Suche nach ihrer individuellen Erfahrung mit vergehender Zeit und gemeinsamem Stricken.Ausgehend von ihrer handwerklichen Tätigkeit, reflektieren sie an einem alltäglichen Ort, zu einer gewöhnlichen Zeit, die großen Fragen einer postindustriellen Gesellschaft, die sich in nicht allzu ferner Zukunft zu einer Post-Wachstums-Gesellschaft wandeln könnte.In einer Installation aus Objekten, Video und Fotografie wird eine Utopie des Alltags entstehen, in der die unterschiedlichen Aspekte des Strickens thematisiert werden.

Das Partizipations- und Ausstellungsprojekt Mittwochnachmittag ist ein Nachfolgeprojekt des Balkonballetts, das im September 2013 ebenfalls im Rosenhof 18 stattfand.


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Unser Flyer


Impressionen der Ausstellung